Wenn wir heutzutage durch die Straßen der Großstädte schlendern, begegnen wir immer irgendjemanden der eine offentsichtlich Tätowierung an seinem Körper trägt. Keiner von uns macht sich dabei ernsthafte Gedanken was das Tattoo ausdrückt oder welche Bedeutung es für seinen Träger haben könnte. Für uns Kinder der 80er & 90er Jahre ist der Anblick eines Tattoos etwas völlig normales, doch dreht man die Zeit um rund 15 Jahre zurück, sah unsere Welt diese Art von Körperkunst noch durch ein ganz anderes Licht.
In den späten 50er Jahren bespielsweise, – in der Zeit nach dem Krieg & des wirtschaftlichen Aufschwungs – galten Tätowierte als kriminell oder verkörperten ihren Mitmenschen das Gefühl, dass sie gerade frisch aus dem Knast entlassen wurden. Dreißig Jahre später, in den Neunzigern gehörten Hautbilder in die Schublade “Hipper & Raver”. Wiederum Jahre später, im 21. Jahrhundert waren Tattoos plötzlich bei jedem zu sehen, wer eins hatte war modern & trendy. Sind Tattoos deshalb eine neue Modeerscheinung des 21. Jahrhunderts?
“Tätowierungen sind so alt wie die Menschheit.”
Diese Frage habe ich mir lange durch den Kopf gehen lassen. Und meiner Ansicht nach: NEIN! Tattoos existieren nämlich schon seit Jahrtausenden! Man könnte auch sagen, dass Tätowierungen fast so alt sind wie unsere Menschheit. Das einzige was sich im Hinblick auf Tattoos geändert hat ist das Empfinden, der Sinn oder die Zweckmäßigkeit.
Wann der Körperkult genau begann weiß keiner, doch Forscher sind sich einig: Die Körperbemalung gab es noch vor oder mindestens zur gleichen Zeit wie die Felsmalerei. Beweisen lässt sich das ganze vorallem durch prähistorischen Funde, wie z.b. dem bekanntesten Gletschermenschen “Ötzi”!
“Der Mann aus dem Eis” – so wie man ihn liebevoll nennt und dessen Alter man auf ca. 5.300 Jahre schätz, ließ die Geschichte der Tattoos neu erfinden. Mit seinem Fund am 19.09.1991 hätte nämlich niemand für Möglich gehalten, dass sogar Leute aus der Kupferzeit eine Methode in betracht zogen, ihre Haut mit Bildern & Motiven zu verzieren. Heutige Archäologen vermuten, dass zu seiner Zeit Tätowierungen als “heilend” galten, denn Ötzi hatte Tattoos an Körperstellen die ihm zu Lebzeiten schmerzen bereitet haben könnten.
“Jedes Volk entwickelte seine eigene individuelle Körperbemalung”
Mit einem Tattoos ist es ähnlich wie mit der Sprache oder Kultur: Andere Länder alte Sitten!
Laut Aussagen von Historikern, Forschern oder Experten, besaßen bereits viele Stämme oder Völker vor Christus das Wissen, ihren Körper zu tätowieren. Dennoch hatte jede Gesellschaft seine eigenen Gründe, seinen Körper zu verschönen. Tattoos hatten und haben bis heute noch eine räumliche, politische oder religöse Aussagekraft.
Eine bekannte Gruppierung der damaligen Zeit waren bespielsweise die Seefahrer & Seemänner. Ihre Oberarme zierten meist Motive von Dreimaster, Leuchttürme oder aber auch Hula-Mädchen unter Palmen. Aber auch auf dem Festland waren Tattoos nicht unbekannt. Im frühen 18. Jahrhundert nutzte man zum Beispiel Brandzeichen als Erkennungsmerkmal um Verwechslungen von Babys in Krankenhäusern zu verhindern.
Ende dieser Epoche, zwischen 1870 und 1880, wurden Tätowierungen – sie waren eher im asiatischen, amerikanischen Raum verbreitet – schließlich auch in Deutschland populär. Vom anfänglichen Hype wurden Tattoos aber schnell zum Zeichen des Mileus, von Zuhältern und Kriminellen. Kaum jemand war in dieser Zeit begeistert, seinen Körper mit Hautbildern zu schmücken. Eines der bekanntesten Tätowierungen der Szene war die “schwarze Träne” unter dem linken Auge. Aber nicht nur die Zuhälterszene, auch die Kirche hatte mit dem verschwinden der Tattoos ein Wörtchen mitzureden.
Zwar vermutete man, dass die frühen Gläubigen sich Kreuze, Fische oder Jesuszeichen auf die Stirn oder Handgelenke tätowieren ließen, doch Auszüge aus der Bibel wie “Für einen Toten dürft Ihr keine Einschnitte auf eurem Körper anbringen, und Ihr dürft euch kein Zeichen einritzen lassen!” oder “Die Priester sollen sich auf Ihrem Kopf eine Glatze scheren, Ihren Bart nicht stutzen und an Ihrem Körper keine Einschnitte machen.” lassen das Christentum etwas anderes Glauben. Bis heute sind Tattoos für Christen “eigentlich” verboten und gelten als Körperverstümmelung.
Zweifellos hatte das Tattoo keinen guten Start in 19. Jahrhundert. Für kurze Zeit war der Körperkult sogar soweit ausgestorben, dass Menschen die sich während ihres Südseeaufenthaltes haben tätowieren lassen, als wahre Sensation in Europa galten. Manche von ihnen wurden auch im Zirkus oder auf Jahrmärkten zur Schau gestellt. Für Menschen aus dem19. Jahrhundert auf jeden Fall eine lukrative Geldquelle.
Einzig und allein im Pazifikraum blieb das Tattoo ein beliebter und beständiger Begleiter, der durch verschiedeneste Techniken, Werkzeuge oder Motive zunehmend ausgefallener & kreativer wurde. Mit der auch aufsteigenden Technologie und neuen Tätowierungsinstrumente sprießen Anfang des 19. Jahrhundert auch immer mehr Tätowierstudios in den Häfen von Liverpool, New York oder San Francisco aus dem Boden. Einige Studios sind noch bis heute an ihrem Ursprungsort anzutreffen. Für Tattoofans oder Touristen aus aller Welt ein beliebtes Besichtigungsziel.
Übrigens: Das erste Patent auf eine elektrische Tätowiermaschine beantrage der Amerikaner O’Reilly im Jahre 1981. Seine Erfindung beruht dabei auf “Edisons elektrische Nadel”. In diesem Verfahren stickt eine Nadelspitze in schnellen Bewegungen in die sogenannte “zweite” Hautschicht und lagert in diesen Zwischenräumen Tinte ab. Die Kunst beim Tätowieren besteht darin, nicht zu flach oder tief einzustechen.
Dank der elektrischen Tätowiermaschine – die aus beweglichen Windungen, einer Nadelstange und einer Spule besteht – war es plötzlich möglich, Tattoos in windeseile zu stechen. Oder sagen wir mal so, schneller wie ohne!
„Nachdem es ein oder zwei Jahrzehnte still um sie war, erleben Tätowierungen nun ihre Renaissance und sind zum Symbol der Gegenkultur geworden.“
Von Gegenkultur ist zumindest heute keine Rede mehr. Laut einer Statistik ist nämlich bereits fast jeder zweite Bundesbürger zwischen 20 und 30 Jahren tättowiert. Tattoos waren sogar auch schon Modeaccessoirs der vergangenen Jahrzehnte. Beispiele wären das Hirschgeweih der 90er Jahre, die Tribal-Ranke der 80er oder der allseits beliebte Names des “Schwarms”. Sünde oder nicht, dass muss der Träger für sich entscheiden!
Kaum zu glauben das Tattoos ihren richtigen Durchbruch erste Ende der 60er Jahre hatten. Aber wenn man so überlegt? Die Swinging Sixities waren die Zeit der sexuellen Revolution, die Zeit in der man sich & seinen Körper mit Vorlieben entdeckte und Jahrzehnt das so viel neues in unserer Leben brachte.
Danke ihr Sechziger Jahre für die Wende in Sachen Tattoos!








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